Nelly Sachs als Übersetzerin

1675

12. Juni 2018 / 18 Uhr / Haus des Buches Saal 1

Hieronymusrunde

Nelly Sachs als Übersetzerin

Ich seh dich mit Sepia-Augen
Sepiatintenfischaugen
milde nach innen schauend
Augen für immer geschlossen
vor dem Rachen das Gaumensegel
Augen für immer geöffnet:
Ich seh dich, ich seh dich

Ich seh dich, meine Schöne

So beginnt ein Gedicht des schwedischen Lyrikers Gunnar Ekelöf, das Nelly Sachs in ihrem Stockholmer Exil ins Deutsche gebracht hat. Begonnen hat sie mit dem Übersetzen erst nach ihrer Flucht vor den Nazis, im sechsten Lebensjahrzehnt. »Die Übertragungen wuchsen mir aus einer Dankesschuld zu einer Herzensangelegenheit«, schrieb sie im Vorwort zu ihrer Anthologie schwedischer Lyrik »Von Welle und Granit«. Später wird sie bekennen: »Da ich auch einige der allerjüngsten und radikalsten Modernisten übertragen habe, so habe ich mich auch in ihr Wesen eingefühlt.«

Markus Sahr stellt einige der Übertragungen vor und erinnert an die deutsch-jüdische Dichterin Nelly Sachs. 1891 in Berlin geboren, hatte sie bis zu ihrer Emigration 1940 kaum Lyrik veröffentlicht. Nach dem Krieg erschienen ihre ersten neuen Gedichte »In den Wohnungen des Todes« und auch »Von Welle und Granit« im Aufbau-Verlag. 1966 erhielt Nelly Sachs gemeinsam mit dem jüdischen Dichter Samuel Josef Agnon den Literaturnobelpreis. Sie starb 1970 in Stockholm.

Veranstaltung des Sächsischen Übersetzervereins »Die Fähre« e.V. Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und das Kulturamt der Stadt Leipzig

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