Nelly Sachs als Übersetzerin

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12. Juni 2018 / 18 Uhr / Haus des Buches Saal 1

Hieronymusrunde

Nelly Sachs als Übersetzerin

Ich seh dich mit Sepia-Augen
Sepiatintenfischaugen
milde nach innen schauend
Augen für immer geschlossen
vor dem Rachen das Gaumensegel
Augen für immer geöffnet:
Ich seh dich, ich seh dich

Ich seh dich, meine Schöne

So beginnt ein Gedicht des schwedischen Lyrikers Gunnar Ekelöf, das Nelly Sachs in ihrem Stockholmer Exil ins Deutsche gebracht hat. Begonnen hat sie mit dem Übersetzen erst nach ihrer Flucht vor den Nazis, im sechsten Lebensjahrzehnt. »Die Übertragungen wuchsen mir aus einer Dankesschuld zu einer Herzensangelegenheit«, schrieb sie im Vorwort zu ihrer Anthologie schwedischer Lyrik »Von Welle und Granit«. Später wird sie bekennen: »Da ich auch einige der allerjüngsten und radikalsten Modernisten übertragen habe, so habe ich mich auch in ihr Wesen eingefühlt.«

Markus Sahr stellt einige der Übertragungen vor und erinnert an die deutsch-jüdische Dichterin Nelly Sachs. 1891 in Berlin geboren, hatte sie bis zu ihrer Emigration 1940 kaum Lyrik veröffentlicht. Nach dem Krieg erschienen ihre ersten neuen Gedichte »In den Wohnungen des Todes« und auch »Von Welle und Granit« im Aufbau-Verlag. 1966 erhielt Nelly Sachs gemeinsam mit dem jüdischen Dichter Samuel Josef Agnon den Literaturnobelpreis. Sie starb 1970 in Stockholm.

Veranstaltung des Sächsischen Übersetzervereins »Die Fähre« e.V. Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und das Kulturamt der Stadt Leipzig

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Vierter Literarischer Gartensalon

30. Mai 2018 / 19.30 Uhr / Literaturcafé
Vierter Literarischer Gartensalon
Mit Petra Pelz und Ralf Pannowitsch
Im diesjährigen Salon hat die Pfingstrose ihren großen Auftritt. Ihre wunderbar altmodischen Blütenbälle in einem breiten Farbenspektrum von Schneeweiß bis Tiefdunkelrot bezaubern die Gartenliebhaber, und viele Sorten warten mit köstlichem Duft auf. Aber eine Pfingstrose, die nach faulem Fleisch riecht? Und eine gelbblühende? Was sind »Dillpäonien«? Und welche Spuren hat die Pfingstrose in der Weltliteratur hinterlassen?

Botanisch unter die Lupe genommen werden außerdem die klassischen Kriminalromane von Agatha Christie. Sind Gärten und Blumen in ihren Büchern nur ein äußerliches Dekor oder war sie eine Kennerin? Und schließlich werden wir mit »Wurzeln schlagen« (Rowohlt, 2018) von Allan Jenkins eines der ungewöhnlichsten Gartenbücher der letzten Jahre vorstellen.

Die freie Landschaftsarchitektin Petra Pelz zählt heute zu den renommiertesten Gartengestalterinnen Deutschlands. Ihre Pflanzungen auf Bundesgartenschauen und der IGA Berlin erregten großes Aufsehen. Die Bücher »Gräser im Garten« (Callwey, 2009) und »Faszination Weite« (Ulmer, 2013) stellen ihren modernen, großzügigen Umgang mit Stauden vor.

Ralf Pannowitsch lebt als Lehrer, Gärtner und Übersetzer in Leipzig.

Eintritt: 4,- / 3,- EUR

Veranstaltung des Sächsischen Übersetzervereins »Die Fähre« e.V., der Gesellschaft der Staudenfreunde e. V. und des Kuratoriums Haus des Buches e.V., gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

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Ein Abend für Robert Louis Stevenson

19. April 2018 / 19.30 Uhr / Literaturcafé
Von Leuchttürmen und Südsee-Inseln
Mit Nicole Haase und Stefan Welz
Der für junge Leser bestimmte Abenteuerroman »Die Schatzinsel« hat den Schotten Robert Louis Stevenson auch in Deutschland bekannt gemacht. Doch der eigenwillige Autor hat mehr zu bieten. Als ausgewiesener Reiseschriftsteller, der das Reisen um des Reisens willen praktizierte, hat er die Welt unermüdlich erkundet – von Südfrankreich bis Hawaii. Seine vorzüglichen, wenngleich weniger bekannten Südsee-Geschichten bringen die von ihm verehrte Kultur der eingeborenen Völker zur Geltung und üben gleichzeitig Kritik an kolonialen Praktiken. Darüber hinaus hat der produktive Autor auch viele historische Stoffe bearbeitet. Vom medizinischen Phänomen der Persönlichkeitsspaltung geht seine Schauernovelle »Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde« aus. Gerade einmal vierundvierzigjährig verstarb Stevenson, der zeitlebens an einer Lungenkrankheit litt, 1894 in seiner Wahlheimat Samoa. Freuen Sie sich auf eine Wiederentdeckung!

Nicole Haase gehörte 13 Jahre zum Ensemble des Maxim Gorki Theaters; sie spielte in zahlreichen Filmen und bringt Zuhörern in ganz Deutschland mit ihrem LeseTheater Texte der Weltliteratur nahe.

Stefan Welz ist Professor für Anglistik an der Universität Leipzig. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt u.a. Rudyard Kipling.

Eintritt: 4,- / 3,- EUR

Veranstaltung des Sächsischen Übersetzervereins »Die Fähre« e.V. Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und das Kulturamt der Stadt Leipzig

DIE FÄHRE 2018 – Aus Sachsen in die weite Welt…

Für das Jahr 2018 hat unser Sächsischer Übersetzerverein eine Reihe anspruchsvoller Vorhaben. Es sind Veranstaltungen, bei denen wir Autoren, Übersetzer und Leser zusammenbringen und ein breites Publikum für die Kunst des literarischen Übersetzens sensibilisieren möchten. Dabei werden wir vor allem bewährte Formate fortführen, aber auch neue erproben. Weiterhin wollen wir mit Kooperationspartnern wie dem Kuratorium Haus des Buches oder dem Institut français zusammenwirken, um inhaltlich spannende und finanziell für uns allein kaum zu tragende Projekte umsetzen zu können.

 

Literatur aus Sachsen: Vertraute Blicke aus der Ferne

Zeitgenössische Autoren, die aus Sachsen stammen oder hier seit langem ihren Lebensmittelpunkt haben, werden nicht nur im deutschen Sprachraum viel gelesen, sondern auch eifrig in andere Sprachen übersetzt (Clemens Meyer, Angela Krauß, Marcel Beyer, Ingo Schulze, Uwe Tellkamp usw.). Wir möchten mit zwei Pilotveranstaltungen eine neue Reihe begründen, in der wir jeweils einen solchen Autor einladen und dazu einen seiner Übersetzer, der die Besonderheiten seiner fremdsprachigen Textversion erläutert und uns gleichzeitig an seinem Blick auf deutsche (oder auch sächsische) Eigenheiten teilhaben läßt.

 

Georgien: Ehrengast der Frankfurter Buchmesse

Im Oktober 2018 werden anläßlich der Frankfurter Buchmesse zahlreiche georgische Schriftsteller und Übersetzer in Deutschland weilen. Wir wollen das nutzen, um in zwei Veranstaltungen die hierzulande noch wenig bekannte Literaturszene der Kaukasusrepublik vorzustellen.  Gern würden wir zum Beispiel Nestan Kvinikadze („Die Nachtigallen von Isfahan“) einladen, wenn er denn nach Deutschland kommt. Und an einem anderen Abend möchten wir mit einem renommierten Übersetzer (sehr gern mit Dato Barbakadse, der auch selbst ein wichtiger Autor ist) über Literatur, Land und Leute sprechen… und dabei typische georgische Gerichte servieren.

 

 

Ausschwärmen

In den letzten zwei, drei Jahren ist unser Sächsischer Übersetzerverein ärgerlicherweise fast nur in Leipzig aktiv gewesen. Das soll sich 2018 ändern! Renommierte Übersetzerinnen und Übersetzer aus unseren Reihen (Reinhild Böhnke, Regina Karachouli, Markus Sahr etc.) werden in verschiedene sächsische Städte und Gemeinden ausschwärmen und dort aus ihren neueren Übersetzungen lesen. Dazu werden wir bei Veranstaltern anfragen, mit denen wir früher schon erfolgreich zusammengearbeitet haben (Chemnitz, Kulturkaufhaus), aber auch neue Veranstaltungsorte zu gewinnen versuchen (Görlitz, Synagoge).

 

 

Sehr ernste Scherze aus der Ukraine: „Pralinen von Roter Oktober“

Einen Überhang aus dem alten Jahr möchten wir 2018 unbedingt realisieren: Der ukrainische Autor Olexander Irwanez hatte vor mehr als einem Jahrzehnt einen beinahe prophetischen (und dabei ziemlich komischen) Roman über einen russisch-ukrainischen Konflikt geschrieben. Jetzt ist das Buch von Alexander Kratochvil ins Deutsche übersetzt worden. Da sich der Erscheinungstermin verzögerte und de r österreichische Verlag erst im Frühjahr 2018 eine Lesereise mit dem Autor organisieren will, mußten auch wir unsere Veranstaltung verschieben.

 

 

Internationaler Übersetzertag am 30. September

In einem bunten Lesereigen präsentieren die sächsischen Übersetzer an diesem Tag traditionell ihre neuesten Veröffentlichungen.

 

 

Reiner Kunze als Vermittler tschechischer Dichtung

Reiner Kunze hat zahlreiche Autoren aus dem Tschechischen ins Deutsche übersetzt. Berühmt sind vor allem seine Übertragungen des Lyrikers Jan Skácel. Kunze hat zur Arbeit des Übersetzers in seinen Münchner Poetikvorlesungen (nachzulesen auch in „Das weiße Gedicht“) ausführlich berichtet und einige seiner Arbeitsweisen benannt. Wir würden ihn gern zu einem Abend einladen, bei dem es um seine Beziehung zur tschechischen Literatur und um einige seiner Übertragungen gehen soll.

(Diese Veranstaltung wird leider nicht zustande kommen. Reiner Kunze schrieb uns auf unsere Anfrage im Februar hin.)

 

 

Lesungen im Ariowitsch-Haus

Im Leipziger Ariowitsch-Haus möchten wir die Übersetzungen zweier Sachbücher aus Südafrika bzw. den USA vorstellen, in denen es um ergreifende jüdisch-deutsche Fluchtbiografien und Lebensentwürfe geht (Steven Robins, Letters of Stone, dt. von Ralf Pannowitsch und Markus Sahr; Philip Sander, Eastwest Street, dt. von Reinhild Böhnke).

 

 

4. Literarischer Gartensalon

Ein neuer Jahrgang für ein erfolgreiches Veranstaltungsformat: Weltliteratur, Gartenkunst, seltene Pflanzen und praktisches Gärtnerwissen – dazu ein „Special Guest“ aus der Branche (bisher hatten wir einen renommierten Landschaftsgestalter, den Chef eines Botanischen Gartens und einen erfolgreichen Sachbuchautor und Leiter von internationalen Gartenreisen zu Gast).

 

 

Ein legendäres Projekt wird besichtigt: Enzensbergers „Museum der modernen Poesie“

1960 gab H.M.  Enzensberger nach jahrelanger Sichtung und Sammlung eine Anthologie moderner Lyrik heraus, die immer wieder neue Auflagen erfuhr: „Museum der modernen Poesie“ hieß ein Projekt, das beinahe hundert Dichter aus aller Welt in 16 Sprachen vereint. Es ist gegliedert nach mehreren Topoi, „Augenblicke“, „Ortschaften“, „Meere“ usw. und stellt jeweils Original und deutsche Übersetzung gegenüber. Auch deutsche Dichter wie Benn oder Brecht sind vertreten. Wir möchten den Zyklus „Meere“ in einer mehrsprachigen Auswahl vorstellen. Übersetzer der FÄHRE (und Gäste) sollen in ihrer jeweiligen Arbeitssprache sowie in Übersetzung eines der z.T. längeren Gedichte vorstellen und für das Publikum kommentieren.

 

 

Leipziger Literarischer Herbst

Die Organisatoren des Leipziger Literarischen Herbsts haben uns zur Mitwirkung eingeladen. Der Jahrgang 2018 ist Leipzigs texanischer Partnerstadt Houston und ihrer Literaturszene gewidmet. Wir werden uns mit einer Veranstaltung daran beteiligen.

 

 

Haarsträubendes über deutsche Körper und Seelen

Die im Ersten Weltkrieg veröffentlichten Pamphlete des französischen Psychiaters Edgar Bérillon über Körperfunktionen und psychische Auffälligkeiten der „deutschen Rasse“ sind so wahnwitzige wie lehrreiche Beispiele für wissenschaftlich verbrämten Völkerhaß und nationale Stereotype. Der Kulturwissenschaftler Prof. Thomas Höpel bereitet gemeinsam mit Ralf Pannowitsch eine kommentierende Übersetzung von La physiologie de la race allemande vor. Anläßlich des 100. Jahrestags der Beendigung des Ersten Weltkriegs werden beide dieses abgründige Buch vorstellen und über die Aktualität nationaler Klischees und Vorurteile sprechen.

 

 

Hieronymusrunde – der Werkstatttreff der Literaturübersetzer

Einmal im Quartal, unaufwendig, informativ und oftmals zum Mitmachen anregend – die Hieronymusrunde hat sich als eines unserer erfolgreichsten Formate etabliert. Wir wollen sie auch 2018 fortführen, u.a. mit einem Nachmittag zu Nelly Sachs‘ Nachdichtungen schwedischer Lyrik.

 

 

(Text.Ralf Pannowitsch)

 

J.M. Coetzee

21. November 2017 / 17 Uhr / Haus des Buches Leipzig / Saal 2
Hieronymusrunde

»Ist der Literaturnobelpreisträger J.M. Coetzee ein Jesus-Jünger?«

Vortrag von Reinhild Böhnke

 

Seit 1998 überträgt Reinhild Böhnke J.M. Coetzees Werke für den S. Fischer Verlag ins Deutsche. Sie berichtet über ihre Arbeit an den Romanen »Die Kindheit Jesu« (2013) und »Die Schulzeit Jesu« (Frühjahr 2018) und versucht eine Antwort auf die Frage zu geben, um welche Art von Roman es sich bei diesen Büchern handelt und was sie mit dem biblischen Jesus zu tun haben. »Coetzee zu lesen und zu übersetzen ist wie Schwimmen in einem Meer bei ruhiger Oberfläche und starkem Sog darunter. Das heißt, man darf sich von der vermeintlich schlichten Diktion beim Übersetzen nicht zu Simplizität verführen lassen. Unter der Oberfläche ›lauern‹ Anspielungen auf Weltwissen und philosophische Fragestellungen.« Die Übersetzerin fragte sich oft: Ist es angebracht, den Stil im Deutschen gefälliger zu machen? Wenn ein englisches Wort zwei Bedeutungen hat, die beide im Text eine Rolle spielen, für die aber im Deutschen zwei Wörter stehen, welche Bedeutung ist wichtiger? – Die beiden Romane, aus denen kurze Abschnitte vorgelesen werden, können ein intellektuelles Abenteuer sein, das fasziniert und verstört. Die Romanfiguren sind keine Sympathieträger und der Leser bleibt nach der Lektüre nicht erlöst zurück, doch der Text arbeitet unter Umständen in ihm weiter und entfaltet sich.

Reinhild Böhnke ist als literarische Übersetzerin in Leipzig tätig. Neben J. M. Coetzee hat sie u. a. Werke von Margaret Atwood, Nuruddin Farah, D.H. Lawrence und Mark Twain ins Deutsche übertragen.

Veranstaltung des Sächsischen Übersetzervereins »Die Fähre« e.V. Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und das Kulturamt der Stadt Leipzig

T4. Ophelias Garten

5. September 2017 / 19.30 Uhr / Saal 1

Hieronymus-Runde
»T4. Ophelias Garten«

Kirsten Maria Düsberg in Lesung und Gespräch mit
Ellen Bräunig und Markus Sahr

 

Deutschland, Kriegswinter 1941: Ophelia kultiviert eigensinnig ihre Blumen, als sie Besuch von einer Krankenschwester erhält, mit der sie Freundschaft schließt. Doch Gertrud ist eine Beauftragte der »Aktion T4«. – In der Berliner Tiergartenstraße 4 wurden seit Beginn des Zweiten Weltkrieges die Massenmorde an kranken und behinderten Menschen durch die sozialdarwinistisch ausgerichtete Medizin und Psychiatrie des Nationalsozialismus organisiert. Mit außergewöhnlicher Courage und Sensibilität haben sich der italienische Autor und Regisseur Pietro Floridia und die beiden Schauspielerinnen Micaela Casalboni und Paola Roscioli aus Bologna dieses Themas angenommen, das sich jeder poetischen Darstellung widersetzt. »T4. Ophelias Garten« gewährt dem deutschen Publikum einen ungewöhnlichen und berührenden Zugang zu dieser Vergangenheit und schärft den Blick auf die Gegenwart. Entstehung, Übersetzung und Veröffentlichung des Werkes lassen zudem die verschlungenen Pfade im Unterholz der deutsch-italienischen Beziehungen aufscheinen.

Kirsten Maria Düsberg lebt seit vielen Jahren in Italien. Sie hat das 2006 in Neapel erschienene Stück »Tiergartenstrasse 4 – Un giardino per Ofelia« ins Deutsche übersetzt; es ist 2016 im Verlag Psychiatrie und Geschichte (Hrsg. Thomas Müller) erschienen.

Eintritt frei

Veranstaltung des Sächsischen Übersetzervereins »Die Fähre« e.V. Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und das Kulturamt der Stadt Leipzig

Informationen unter 0341 3310197 oder info@faehre-sachsen.de

Donnerstag, 13. Juli
19:30 Uhr
Literaturcafé im Haus des Buches

„Übersetzung und Öffentlichkeit in China“:
WOLFG
ANG KUBIN i
n Lesung und Gespräch

Was geschieht, wenn jemand aus dem Chinesischen ins Deutsche übersetzt? Was geht verloren, was kommt hinzu? Wie lang ist der Schatten, den das chinesische Zeichen wirft?

Wolfgang Kubin übersetzt seit vielen Jahren klassische wie moderne chinesische Dichtung, auch die Dichter im Exil wie die für den Nobelpreis gehandelten Bei Dao oder Yang Lian. Wie blickt er selbst auf sein Handwerk, seine Kunst?

Akzeptabel erscheint ihm eine Äußerung des in der Schweiz geborenen Lyrikers Yang Lian: „Wer ein chinesisches Gedicht in seiner deutschen Übersetzung liest, der sollte ihm einen Platz in der deutschen Literatur geben und dann entscheiden, ob es gut oder schlecht ist.“ Kubin zitiert diese Ansicht in seinem Buch „Die Stimme des Schattens“.

Die Dichter also im Exil, in Neuseeland, den USA, in London, Berlin – und ihr Übersetzer? „Warum fährt ein Mensch nach Peking?“, fragt der Essayist Wolfgang Kubin Mitte der 90er Jahre unter der Maske des „Fremden“ sich selbst. „Künden nicht Tag für Tag die Nachrichten von den überholtesten und abscheulichsten Dingen?“ Doch, einmal vor Ort: „Sehr schnell ist er, was er immer sein wollte, ein Mensch unter Menschen.“

Wolfgang Kubin, 1945 in Celle geboren, studierte Evangelische Theologie, Japanologie, Germanistik, Philosophie und Sinologie in Münster, Wien und Bochum. Er ist Lyriker, Essayist, emeritierter Hochschullehrer und Übersetzer moderner chinesischer Lyrik. Er lebt in Bonn und immer wieder in China.

Eintritt: 3,- / 2,- EUR

Veranstaltung des Sächsischen Übersetzervereins „Die Fähre“ e.V., gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und vom Kulturamt der Stadt Leipzig

 

 

 

BLOOMSDAY 2017 James Joyce »Ulysses«

16. Juni 2017 / 19.30 Uhr / Literaturcafé/Garten
 
BLOOMSDAY 2017
James Joyce »Ulysses«
Noil Branc 2012
Noil Branc 2012
Szenische Lesung mit Nicole Haase, Fabian Dellemann, Markus Sahr u.a.

Seit 1954 wandelt Dublin jeden 16. Juni auf den Spuren seines literarischen Ehrenbürgers Leopold Bloom, dem Protagonisten aus James Joyces »Ulysses«. Die Stadt feiert, singt und – man muss es sagen – säuft. Aber nicht nur Dublin, inzwischen hat der Bloomsday sogar in Städten wie Tokio oder dem kroatischen Pula Tradition.

Dieses Jahr schließt auch Leipzig sich den Festivitäten an, mit einer szenischen Lesung aus dem Roman. Der Anglist und Joyce-Enthusiast Fabian Dellemann führt in das Werk ein, jene moderne Odyssee, die einen einzigen Tag im Jahre 1904 umfasst und ganz nebenbei die gesamte westliche Schriftkultur Revue passieren lässt. Mittendrin Bloom, Jude mit ungarischen Wurzeln, ein Außenseiter, Antiheld, Alltagsabenteurer. Begleiten Sie ihn auf seinem fährnisreichen Weg durchs alte Dublin, ins Ormond-Hotel, wo er umschwirrt von den Bardamen Miss Douce und Miss Kennedy – den homerischen Sirenen – zu Mittag isst.

Es lesen die Schauspielerin Nicole Haase und Markus Sahr vor musikalischem Hintergrund.

Eintritt: 3,- / 2,- EUR

Veranstaltung des Sächsischen Übersetzervereins »Die Fähre« e.V. Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und das Kulturamt der Stadt Leipzig

 

 

 

 

Mittwoch, 1. Februar
19.30 Uhr
Literaturcafé

ANGOLA ENTDECKEN!
Lesung mit Barbara Mesquita

Luanda, die Hauptstadt Angolas, gilt als teuerste Stadt der Welt, gleichzeitig ist sie als Ort tiefer sozialer Gegensätze verschrien. Mehrfach hielt Barbara Mesquita sich dort zu Dolmetschzwecken auf, früh auch übersetzte sie den angolanischen Schriftsteller und Befreiungskämpfer Pepetela und dessen hochkomischen Kriminalroman „Jaime Bunda, Geheimagent“ (ein afrikanischer Kollege James Bonds).

Vamos descobrir Angola! – „Entdecken wir Angola“ – war 1948 das Motto einer Gruppe angolanischer Intellektueller, die sich auf der Suche nach einer eigenen angolanischen Identität zusammenschlossen. Barbara Mesquitas Anthologie entlehnt der Bewegung ihren Titel und stellt darunter fünfzehn zeitgenössische Autoren vor. Das Erscheinen des Buches, 2015, fiel in das Jahr, in dem Angola den vierzigsten Jahrestag seiner Unabhängigkeit feierte.

„Wäre der deutsche Buchmarkt nicht ganz auf die englischsprachige Literatur ausgerichtet, dann gehörten Autoren wie Pepetela oder Luandino Vieira schon lange zur Weltliteratur“, so die Herausgeberin und Übersetzerin.

Geboren 1959 in Bremen, hat Barbara Mesquita nach dem Abitur zwei Jahre in Porto gelebt und anschließend in Hamburg Romanische Philologie, Germanistik und Politikwissenschaft studiert. Sie ist Freie Literaturübersetzerin und Konferenzdolmetscherin für Portugiesisch und Spanisch. Einen Schwerpunkt ihrer Tätigkeit bildet die portugiesischsprachige Literatur Afrikas (Angola und Cabo Verde). 2002 wurde sie mit dem Förderpreis für literarische Übersetzung der Freien und Hansestadt Hamburg ausgezeichnet.

Eintritt: 3,- / 2,- EUR

Veranstaltung des Sächsischen Übersetzervereins „Die Fähre“ e.V., gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und vom Kulturamt der Stadt Leipzig

 

Im Schumann-Haus

Der französische Psychiater und Schriftsteller François Lelord (rechts) und sein Übersetzer Ralf Pannowitsch am 29. Oktober 2016 im Leipziger Schumann-Haus während des „Literarischen Herbsts“

Fotos: Copyright Schumann-Haus

„Hector und die Suche nach dem Paradies“ – Lesung und Gespräch mit François Lelord

Wir schreiben das Jahr 1978. Hector ist gerade 25 Jahre alt geworden und frisch examinierter Arzt. Mit seiner schönen Kollegin Clotilde, in die er heimlich verliebt ist, fliegt er nach Kathmandu. Sie sind auf der Suche nach Doktor Chin, einem reizenden alten Psychiater. Er muss gewarnt werden, denn er kennt das Geheimnis eines Tees, dessen Genuss überwältigende mystische Erfahrungen beschert – ein Geheimnis, das ganz unterschiedliche Parteien nur allzu gern für ihre Zwecke missbrauchen würden. Ein wunderbarer Roman über das große Rätsel der Transzendenz.

François Lelord (geboren 1953) schloss seine psychiatrische Praxis, um sich und seinen Lesern die wirklich großen Fragen des Lebens zu beantworten. Sein Roman „Hectors Reise“ (2004) wurde ein Welterfolg. Lelord lebt in Paris und Bangkok.

Moderation: Ralf Pannowitsch

Musik: Sebastian Hensel (Viola), Rebecca Kaptain (Klavier)

Eintritt: 5,- / 3,- EUR

Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und dem Kulturamt der Stadt Leipzig

2016

DAS WORT UND SEIN SCHATTEN:

GRENZWELTEN

 

 

 

 

OKTOBER (HAUS DES BUCHES):

Do, 20. 10., 18 Uhr Saal 1

 

Begegnungen in Triest / Grenzwelten

Gespräch mit Ilse Pollack und Matteo Colombi

Zwei ausgewiesene Kenner des einst größten Hafens der k.u.k. Monarchie lassen die literarische Szene der Stadt Revue passieren.

Die Österreicherin Ilse Pollack wuchs an der Grenze zu Slowenien (damals Teil von Jugoslawien) auf, studierte Romanistik in Wien und Paris und arbeitete nach ihrem Studium als Lektorin in Portugal. Der Gang nach Lissabon war für sie der Beginn einer umfangreichen Lehr- und Übersetzungstätigkeit. An der „Universidade Clássica“ war sie viele Jahre lang Lektorin und vermittelte in beide Richtungen. Als Journalistin schrieb sie für die Zeitschrift „Wiener Tagebuch“ zu Portugal (lesenswert noch immer ihr Buch „Fado – Lebensbilder aus Portugal“), portugiesischen Lesern suchte sie mit ihren Essays „Mundos de Fronteira“ („Grenzwelten“) die literarische Welt Mittel- und Südosteuropas näherzubringen.

Nach Österreich zurückgekehrt, wurde Triest zu einem Mittelpunkt ihrer Tätigkeit. Dort traf sie früh italienisch- und slowenischsprachige Autoren, die später auch im deutschsprachigen Raum bekannt werden sollten. Sie übersetzte aus dem Italienischen Scipio Slatapers Tagebücher „Mein Karst“ (auf Platz 2 der Südwestfunk Bestenliste) und machte den jung verstorbenen Schriftsteller und dessen Bekenntnis zum „zerrissenen Triest“ in Deutschland bekannt.

Der Italiener Matteo Colombi, in der Nähe von Bergamo geboren, studierte Slawistik in Bologna, Leipzig und Prag und promovierte mit einer Arbeit zu „Multiethnizität und Multikulturalität in Prag und Triest“. Er arbeitete am GWZO in Leipzig und lehrt an der Humboldt-Universität in Berlin.

 

Veranstaltung des Sächsischen Übersetzervereins »Die Fähre« e.V. Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und das Kulturamt der Stadt Leipzig.

Eintritt 3.- / ermäßigt 2.- Euo

 

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SEPTEMBER (Haus des Buches)

29.9. , 17 Uhr Saal 1: Internationaler Tag der Übersetzer 

Mit Reinhild Böhnke, Arne Braun, Thomas Eichhorn, Regina Karachouli,
Juliane Lochner, Ralf Pannowitsch und Markus Sahr

Anlässlich des Hieronymus-Tages am 30. September werden Mitglieder der FÄHRE in ihrer traditionellen Lesung neue Übersetzungen aus Lyrik und Prosa vorstellen.

In diesem Jahr stehen vor allem politische Texte im Mittelpunkt: Markus Sahr wird vier Gedichte präsentieren, die in einem ganz besonderen Zusammenhang stehen: Es geht um Krieg und Ängste – von Guernica bis Bagdad. Regina Karachouli stellt die libanesische Autorin Iman Humaidan mit ihrem Roman »50 Gramm Paradies« vor, in dem sie die Emigrationserfahrungen einer syrischen Journalistin, einer Kurdin und einer Libanesin beschreibt. Und Ralf Pannowitsch behauptet mit Daniel Klein: »Immer wenn ich den Sinn des Lebens gefunden habe, ist er schon wieder woanders.«

Dass der Sinn des Lebens nicht in Wahlen bestehen kann, beweist Arne Braun. Sie liest aus ihrer neuen Übersetzung des niederländischen Autors David Van Reybrouck »Gegen Wahlen. Warum Abstimmen nicht demokratisch ist.« Thomas Eichhorn lässt das Kaleidoskop seiner Lyrik-Übersetzungen aufblitzen. Es handelt sich um englische, französische und spanische Gedichte.
Reinhild Böhnke stellt den Roman »I Am No One« von Patrick Flanery vor, in dem die fatalen Folgen der NSA-Tätigkeit beschrieben werden. Juliane Lochner schließlich wird aus der Übertragung ihres neuesten Liebesromans »Eine hinreißende Affaire« von Tawna Fenske lesen.

Veranstaltung des Sächsischen Übersetzervereins »Die Fähre« e.V. Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und das Kulturamt der Stadt Leipzig

 

Regina Karachouli liest aus Iman Humaidans Roman „50 Gramm Paradies“

Arne Braun nach ihrer Lesung

 

 

  1. April, 19:30 Uhr im Literaturcafé / Haus des Buches

JOANNA MANC UND RENATE SCHMIDGALL / GRENZWELTEN

 

Echo in den Gassen
Die Autorinnen in Lesung und Gespräch
Moderation: Markus Sahr

Junge polnische und deutsche Lyrik, jeweils gespiegelt im anderen Idiom. Die eine, Joanna Manc, schreibt Gedichte auf Polnisch und Deutsch, die andere, Renate Schmidgall, hat mit polnischen Gedichten angefangen und schreibt seit einiger Zeit ausschließlich deutsch.

Übersetzerinnen aus dem Polnischen sind beide: Renate Schmidgall, ausgezeichnet mit dem Europäischen Übersetzerpreis und dem Karl-Dedecius-Preis, überträgt etwa die späten Gedichte der polnischen Nobelpreisträgerin Wisława Szymborska oder die Prosa von Andrzej Stasiuk ins Deutsche, macht aber auch mit jüngeren und jüngsten Autoren wie Łukasz Jarosz bekannt.

Joanna Manc, in Polen geboren und mit neun Jahren nach Deutschland gekommen, übersetzt gleichfalls ins Deutsche, bleibt in ihrer Lyrik jedoch der polnischen Muttersprache treu. Für ihre Gedichte erhielt sie beim Internationalen Lyrikwettbewerb»Féile Filíochta« in Irland 2008 den 2. Preis in der Kategorie »Deutsch«. Im Haus des Buches gestalten beide einen polnischen Abend und stellen dabei auch eigene Arbeiten vor.

Eintritt: 3,-/2,- EUR.
Veranstaltung des Sächsischen Übersetzervereins »Die Fähre« e. V. und des Kuratoriums Haus des Buches e.V., gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und das Kulturamt der Stadt Leipzig

 

 

So schleppe ich meine Kindheit von Wohnung

zu Wohnung, ungeöffnet. Als käme irgendwann

die Erleuchtung aus diesen Kisten,

ein Blitz, der alles erhellt: die trockene

 

Kehle, wenn die Luft, von Wein gesättigt,

in lauten, rauchigen Zimmern steht, wenn

uferlos Lachen die Wände durchbricht;

die Angst im Bauch, wenn einer die Tür schließt.

 

 

Renate Schmidgall

2015

 

DAS WORT UND SEIN SCHATTEN

(SCHREIBENDE ÜBERSETZER)

 

  1. JANUAR 

Marcelo Backes in Lesung und Gespräch
Moderation: Markus Sahr

Marcelo Backes, Nachfahre deutscher Einwanderer, wurde 1973 in Rio Grande do Sul geboren. Er studierte Germanistik und promovierte an der Universität Freiburg i.Br. Seit vielen Jahren übersetzt er aus dem Deutschen: Franz Kafka, Arthur Schnitzler, aber auch Zeitgenossen wie Ingo Schulze oder Saša Stanišić. Er lebt in Rio de Janeiro, in Ipanema, nah am Strand, und verlässt doch selten das Haus… Sein neuester Roman »A Casa Cai« (»Das Haus fällt«) erschien 2014.

Volker Hemken, Bassklarinettist des Gewandhausorchesters, wird den Abend musikalisch begleiten.

Eintritt 3,-/2,-EUR. Veranstaltung des Sächsischen Übersetzervereins Die Fähre e.V. Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.

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Foto: Nina Saroldi: Marcelo Backes, Markus Sahr, Volker Hemken

Volker Hemken spielt Tom Waits, Eric Dolphin, God bless the child, und, als Zugabe, Timo Jouko Herrmann, LE CHAT AUX BERGAMOTES (UA.) für Bassklarinette solo.

 

 

  1. MAI:

EIN DEUTSCHER IN BULGARIEN:

Thomas Frahm in Lesung und Gespräch mit Andreas Tretner

Thomas Frahm, geboren 1961 am Niederrhein, hat, um den Blick auf sich selbst zu klären, eine periphere Position bezogen: Er lebt in Bulgarien, kann wenigstens dieses Land und seine Menschen gut verstehen und immer besser erklären – wofür ihm Schreiben und Übersetzen gleichermaßen recht sind, wenn nicht gar zusammengehören. Vier große Romane aus seiner Feder stammen von Vladimir Zarev (Hanser Verlag), instruktive Essays (öfter für den »Merkur«) und subtile Erzählungen von ihm selbst, jedoch als ein Anderer. »Die beiden Hälften der Walnuss«, so heißt Frahms Versuch über das bulgarische Denken, der mit einem Brechtsatz endet: »Ein Mensch – das ist: zwei Menschen«, hier zum Beispiel, im Mindesten: Autor und Übersetzer.
Andreas Tretner ist Übersetzer aus dem Russischen und Bulgarischen.

Eintritt: 3,-/2,-EUR. Veranstaltung des Sächsischen Vereins zur Förderung literarischer Übersetzung »Die Fähre« e. V., gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

 

 

  1. JUNI 2015

Frank Heibert in Lesung und Gespräch. Moderation: Ralf Pannowitsch

Er hat Richard Ford übersetzt und Don DeLillo, Marie Darrieussecq und Yasmina Reza – starke Stimmen, die vielleicht in seinem Kopf widerhallen, wenn er eigene Erzählwelten erschafft? Oder sind Übersetzen und Schreiben wie zwei Züge, die auf verschiedenen Gleisen rollen und überhaupt nicht in Kollisionsgefahr geraten? – Frank Heibert, geboren 1960, lebt in Berlin. Er ist preisgekrönter Übersetzer, Schriftsteller (sein Roman „Kombizangen“ erschien bei Hoffmann und Campe), Jazzsänger und noch einiges mehr. Im Wintersemester 2015/16 wird er an der Freien Universität Berlin die August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur für Poetik der literarischen Übersetzung bekleiden.

Eintritt: 3,- / 2,- EUR. Veranstaltung des Sächsischen Vereins zur Förderung literarischer Übersetzung »Die Fähre« e.V., gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen